Da blieb Tim Tölke glatt die Sprache weg

Mitte der zweiten Halbzeit gegen die Eintracht aus Frankfurt Entsetzen bei den Leipziger Fans. Ist das Budget der Rasenballer erschöpft oder sind sie gar Pleite? Hat Vater Dieter Mateschitz sein Kind im Vorschulalter verstoßen? Kann der Spielbetrieb bis zum Abpfiff überhaupt noch aufrecht erhalten werden oder hat Gewerkschaftsboss Weselsky eine neue Nischengruppe gefunden, um einen globalen Markt zum Erliegen zu bringen?

Was ist geschehen? Timo Werner erzielt die vermeintliche Vorentscheidung zum 2:0 und außer enthusiastischem Jubel passiert nichts. Kein „Tooooooor für R B“, kein „Unser Torschütze mit der Nummer 11 ins Tiiimooo“ und auch kein „und damit haben wir einen neuen Spielstand, RB Leipzig“. Auch bei den folgenden Auswechslungen keinerlei Kommentar vom roten Jacket-, Schlips- und Schuhträger.

Dabei hatte Stadionsprecher Tim Tölke dieses Mal sogar seinen Zwilling Alois zur Unterstützung mitgebracht. Die Beiden moderierten wie immer gekonnt das Spiel an und präsentierten gemeinsam die Mannschaftsaufstellung.

Zunächst war also alles wie immer. Selbst der Frankfurter Torhüter Hradecky stand unserer Mannschaft wieder unterstützend zur Seite, wenn auch dieses Mal nicht mit einer feinen Einzelleistung. Der kurz zuvor eingewechselte und mit hohen Erwartungen gestartete Kevin Prince Boateng lieferte – und zwar mit seinem ersten Ballkontakt einen Rückpass über das halbe Feld, den der Frankfurter Keeper unter Druck Marcel Sabitzer servierte. Dann ging es ganz schnell. Eine scharfe Hereingabe, ein Schuss aus der Drehung von Timo Werner und ein Abpraller zu Jean-Kevin Augustin, der sich vor unserer Kurve keine Blöße gab und sicher vollendete. Das Ganze stimmungsvoll von Tim Tölke veredelt, damit auch die Hessen wissen, wie es steht.

Nach der einseitigen, von unseren Roten Bullen absolut überlegen geführten ersten Spielhälfte gab es dann auch einen mehr als passenden Interviewgast, Handballgott Philipp Weber, der mit den beiden Moderatoren Werbung für das sonntägliche Punktspiel des DHfK in der benachbarten Arena gegen Hannover-Burgdorf machte.

Erste Zweifel, dass das Budget für an diesem Tag zwei Stadionsprecher nicht reicht, kamen schon bei der nur per Videoleinwand vollzogenen Bekanntgabe der offiziellen Zuschauerzahl von nur 40.606 auf. Als aber Timo Werner im nunmehr laut der Mediadesign Hochschule Düsseldorf offiziell schönsten Trikot der Liga sein fünftes Saisontor schoss und die Stimme des besten Stadionsprechers der Welt ausblieb, war das Grauen unter den Fans greifbar.

So haben wir die Timo-Werner-Rufe halt ohne die Unterstützung von Alois und Tim Tölke ganz traditionell selbst übernommen. Ein Ausfall des Stadionmikrofons hindert uns noch lange nicht an der verdienten Würdigung der Leistungen unserer Mannschaft.

Hasenhütte